Alte Geschichten

Blick hinter die Kulissen

Mädchen beim OUTREACH_Jugendradio

Das OUTREACH-Jugendradio ermöglichte am Girls‘ Day fünf Mädchen einen ersten Blick hinter
die Kulissen des Radios. Der Workshop beinhaltete eine allgemeine Einführung über den Hörfunk und in das Medienrecht, Techniken journalistischen Arbeitens, sowie einen Einblick in die technischen Möglichkeiten des Radios. Dabei konnten die Teilnehmerinnen vieles gleich selbst ausprobieren,
bis hin zu einer Straßenumfrage. Ein kurzer Beitrag über den Girls‘ Day beim OUTREACH-Jugendradio
am Abend rundete den Tag ab.

Gegen das Vergessen!

Jugendliche vom Outreach_Jugendradio beim Generationsforum in Ravensbrück

Unmittelbar vor den Feierlichkeiten anlässlich des 60. Jahrestages der Befreiung des Konzentrationslagers Ravensbrück, fand vom 13. bis zum 15. April auf dem ehemaligen KZ-Gelände das „Generationsforum 2005“, eine Veranstaltung der Dr. Hildegard Hansche Stiftung und der Pädagogischen Dienste der Mahn- und Gedenkstätte, statt. Mehr als 40 SchülerInnen und StudentInnen trafen sich mit den Überlebenden Agnes Bartha (Ungarn), Anika Bremell (Schweden), Batsheva Dagan (Israel) und Lisl Jäger (Deutschland). Diese brachten den Jugendlichen ihre Geschichte näher und standen zu ausführlichen Diskussionen bereit. Gemeinsam wurde überlegt, was ihrem Verständnis nach wie in der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück als Ort nationalsozialistischer Verbrechen an heutige und künftige Generationen weitergegeben werden soll. Bereits bei der Eröffnungsveranstaltung las Batsheva Dagan eines ihrer Gedichte vor, dass mit den Zeilen endete: „Fragt heute. Denn heute gibt es noch Zeugen“. Damit machte sie deutlich, dass die Jugendlichen möglicherweise die letzen sind die das Privileg haben, mit ZeitzeugInnen zu diskutieren und zu sprechen.

Immer wieder war auch der heutige Rechtsextremismus Thema der Diskussionen. Klaus Eschen, Aufsichtsratsvorsitzender der Hansche-Stiftung, wandte sich gegen Tendenzen in Deutschland, aus Tätern Opfer zu machen. „Es ist Mode geworden, die deutsche Bevölkerung als Opfer der Nazis hinzustellen. Die Leiden, die mit dem Kriegsende kamen, hatten ihre Ursache in der verbrecherischen Politik der Nazis. Dass die Welle zurück kommt, ist völlig klar“, so Eschen.
Neben Gruppen wie dem Interreligiösen Zentrum Jerusalemkirche, der Landesjugendfeuerwehr oder dem Jungmedienverband, waren auch Jugendliche von Outreach – Mobile Jugendarbeit Berlin, mit dem Outreach_Jugendradio, Teil des Generationsforums. Die Jugendlichen aus Neukölln, Kreuzberg und Steglitz-Zehlendorf richteten zusammen mit Jugendlichen von KMA (Kreuzberger Musikalische Aktion) – Radio Aktiv das „Studio R“ ein. Im „Studio R“ konnten Radiosendungen von den Jugendlichen eigenverantwortlich geplant, produziert und bearbeitet werden und „live“ über den Offenen Kanal Berlin (OKB) ausgestrahlt werden. Das Studio stand allen Interessierten offen und so konnten zahlreiche Jugendliche erstmalig aktiv Kontakt mit dem Medium Radio aufnehmen. Das Interesse an diesem Angebot war groß und teilweise drängten sich bis zu 15 Jugendliche während der Live-Übertragungen in die Räumlichkeiten des Radiostudios. Dort wurde dann über Erlebtes berichtet und über Konsequenzen diskutiert. In den kommenden Wochen wird in den Sendungen von KMA – Radio Aktiv und im Outreach_Jugendradio weiter über das Generationsforum berichtet werden.
Insgesamt war das Generationsforum 2005 ein voller Erfolg. Die Jugendlichen gingen sichtlich bewegt, aber auch motiviert und in ihrem zivilgesellschaftlichen Engagement gestärkt nach Hause. Auch das Projekt „Studio R“ war ein voller Erfolg. Es konnte Interesse an einer aktiven Nutzung des Mediums Radio und ein kritischer, selbstbewusster und emanzipatorischer Umgang vermittelt werden. Es bleibt zu Hoffen, dass die Überlebenden noch sehr lange zu ähnlichen Veranstaltungen zur Verfügung stehen – und auch nächstes Jahr in Ravensbrück das „Generationsforum 2006“ stattfinden kann.

multimedia against rightwing shit

Versteckspiel im Bunker

Rund 100 Jugendliche folgten am Freitag, den 12. August, der Einladung des Outreach_Jugendradios und des Outreach Teams Steglitz-Zehlendorf in den Bunker in Lankwitz. Dort lauschten sie zunächst dem Vortrag „Das Versteckspiel“ über Symbole, Codes und Lifestyle rechtsextremer Gruppen und danach den Klängen der Bands Dilirium und Lunatics.

Der Abend im Bunker fand im Rahmen der Reihe multimedia_against_rightwing_shit (MARS) des Outreach_Jugendradios, in Kooperation mit D-A-S-H – für Vernetzung – gegen Ausgrenzung, statt. In dem multimedialen Vortrag „Das Versteckspiel“ zeigte der Referent Michael Weiß, Autor und Mitarbeiter von Argumente – Netzwerk antirassistischer Bildung e. V., aktuelle Entwicklungen in der extrem rechten Szene auf. Er beleuchtete Codes und Zeichen rechtsextremer Jugendlicher, die häufig für Außenstehende unauffällig wirken – für die Jugendlichen jedoch eine enorme Bedeutung haben. Für diese sind derartige Zeichen nämlich nicht nur Erkennungsmerkmal für Gleichgesinnte. Sie vermitteln ein Gruppengefühl und transportieren eine politische Botschaft. Ähnlich neonazistischer Musik, bei der der Musikstil kein eindeutiges Indiz für die politische Ausrichtung der Band ist. Ein unscheinbares Symbol kann somit eine große Bedeutung für seinen Träger haben. Mehr als 120 derartige Zeichen, die verdeckt oder offen eine politische Orientierung nach rechts mitteilen, sind derzeit bekannt. Ebenfalls verdeutlichte der Referent die Bedeutung des „White Noise“, die Musik der Neonazis. Diese, so Weiß, ist nicht allein der „kulturelle Ausdruck“ einer neonazistischen Bewegung und rassistische Hetze in brutalster Form, sondern mit Millionengewinnen für die Szene verbunden. Jedes Jahr werden hunderttausende CDs neonazistischer Bands über und unter dem Ladentischen verkauft, Konzerte dieser Bands finden bis zu 2.000 Zuhörer und Zuhörerinnen. Für neonazistische Organisationen und Parteien ist die White Noise-Musik Einnahmequelle und Propaganda zugleich: Sie nutzen sie, um neue Mitglieder zu werben und eine ganze Jugendbewegung in das Netzwerk ihrer Aktivitäten zu integrieren. Im Anschluss an den Vortrag folgte eine ausführliche Diskussion mit dem jugendlichen Publikum, wobei die Inhalte des Vortrages vertieft und Unklarheiten beseitigt wurden. Die Diskussion wurde von ModeratorInnen des Outreach_Jugendradios geleitet. Danach ging es dann im frisch renovierten Bandproberaum des Bunkers zur Sache. Unter tropischen Bedingungen begeisterten dort zunächst die Lunatics mit Hardrock, bevor im Anschluss gewohnt brillant und routiniert die Diliriums strangerovepsychedelicqueenrock zum Besten gaben.

Etwas weniger TeilnehmerInnen fanden sich am 4. August vor der Humboldt-Universität ein, um an der Stadtführung „Spuren des Antisemitismus Einst und Jetzt“, die ebenfalls in der Reihe „multimedia against rightwing shit“ stattfand, teilzunehmen. Die Journalistin und Stadtführerin Iris Weiß führte an Plätze, die antisemitische Aktivitäten verbaler oder tätlicher Art repräsentieren. In der gut zweistündigen Führung ging es u. a. vorbei am Platz der Bücherverbrennung, wurde auf die antisemitische Tiraden des Hofpredigers Stöcker eingegangen und pogromartige Ausschreitungen im Scheunenviertel erläutert. Die Führung endete an der Neuen Synagoge, die durch Polizeibewachung geschützt werden muss. Iris Weiß ist es mit der Führung gelungen, die Kontinuität des Antisemitismus in Deutschland darzustellen und verdeutlichte, wie dringend notwendig auch heute eine Auseinandersetzung mit dem Thema ist. Die Jugendlichen empfanden die Stadtführung als sehr spannend, wenn auch die Fülle der Informationen etwas überforderte.

„MARS“ geht im Oktober in die nächste Runde. Dann findet am 15. und 16. August im Mädchenstadtteilladen ReachIna in Neukölln ein zweitägiges Seminar für Jugendliche unter dem Motto „Kein Bammel! Antisemitismus selbstBewusst entgegentreten!“ statt. In dem Seminar sollen unterschiedliche Formen des aktuellen Antisemitismus herausgearbeitet und die Geschichte des Antisemitismus in Grundzügen besprochen werden. Außerdem sollen Strategien für ein Handeln gegen Antisemitismus entwickelt werden. Das Wochenende wird in Kooperation mit BildungsBausteine gegen Antisemitismus (www.bildungsbausteine.de) organisiert. Für Jugendliche, die an dem zweitägigen Seminar teilnehmen möchten, stehen noch ausreichend Plätze zur Verfügung. Wer Lust hat mitzumachen sendet einfach eine Mail an: outreach.jugendradio@web.de. Das gesamte Seminar ist kostenlos und beinhaltet zwei Mittagessen sowie Kakao und Kuchen.

Am 2. Dezember 2005 wird es noch das große Abschlussfest zum Projekt MARS geben. Wiederum im Bunker in Lankwitz werden mehrere Bands und DJs auftreten und ein von Jugendlichen des Outreach_Jugendradios entworfenes, stark preisverdächtiges, Computerspiel gegen rechte Stammtischparolen wird dort endlich der Öffentlichkeit präsentiert. Ebenso die neue Internetpräsenz des Outreach_Jugendradios.

Kakao und Kuchen gegen Demokratiemüdigkeit

„Wahl-Cafe“ im Bunker in Lankwitz

Auf Initiative einiger jugendlicher AktivistInnen des „Outreach_Jugendradios“ wurde am 28. August, drei Wochen vor der Bundestagswahl, im jugendkulturellen Zentrum „Bunker“ in Lankwitz ein „Wahlcafe“ organisiert. Auf dem Podium saßen VertreterInnen der Jungen Union, der Jusos, der Grünen Jugend, der Jungen Liberalen und der Linkspartei. Moderiert wurde die zweistündige Diskussionsveranstaltung, die sich an bekannten Talk-Formaten im Fernsehen orientierte, von ModeratorInnen des Jugendradios. Bei Kakao und Kuchen standen die jungen PolitikerInnen den kritischen Fragen der ModeratorInnen – zu den Themenkomplexen „Soziales“, „Rechtsextremismus“, „Jugend und Politik“, „Innere Sicherheit“ und „Flüchtlings- und Asylpolitik“ – Rede und Antwort. Im Anschluss folgte eine Diskussion mit dem Publikum. Aus der zweistündigen Veranstaltung wurde eine 60minütige Radiosendung produziert die am 8. September, 10 Tage vor der Bundestagswahl und unmittelbar vor der „U18“-Wahl, auf dem Offenen Kanal Berlin gesendet wurde.


Referer während der letzten 24 Stunden: